
Um die neunte Stunde schrie Jesus laut:»Eli, Eli, lema sabachtani?« Das heißt:»Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«
Mt 27,46
Stations in the Street 09 – Jesus wird ans Kreuz genagelt
Fragen
- Was war der größte Schmerz, den du je erlebt hast?
- Welche Schmerzen trägst du gerade mit dir herum?
- Gibt es Dinge in deinem Leben, die du aus der Angst vor Schmerzen heraus noch nicht gewagt hast?
Meditation
Das Bild dieser Station zeigt drei Nägel, die zusammen genommen die Form eines Kreuzes bilden.
Sie stehen für die drei Eisenstifte, die bei der Kreuzigung in Jesu Körper getrieben wurden.
Manchmal denken wir bei der Kreuzigung zuerst an das Holz.
Aber bedrohlich ist nicht das Holz.
Bedrohlich ist das Metall, das dich daran festmacht.
Die körperlichen Schmerzen einer Kreuzigung waren extrem.
Jesus hat Schmerz erlebt.
Vielleicht intensiver, als die meisten von uns es je erfahren werden.
Ich weiß es nicht. Ich wurde nie gefoltert. Ich kann meinen Schmerz nicht mit einer Kreuzigung vergleichen.
Viele Mütter haben mir erzählt, dass man es als Person, die nie ein Kind zur Welt gebracht hat, nie verstehen werde, wie tief dieser Schmerz geht.
Der größte Schmerz, den ich selbst erlebt habe, war eine sechsstündige Tattoositzung. Es fühlte sich wie Folter an. Ich war mir nicht sicher, ob ich das durchhalte. Ich musste lernen, mit dem Schmerz zu arbeiten: bewusst zu atmen, mich auf kleine Momente der Erleichterung zu konzentrieren, wenn die Nadel kurz absetzte.
Drei Jahre später weiß ich immer noch nicht, ob ich mir das noch einmal antun würde.
Was ich sagen will:
Wir alle haben unterschiedliche Schmerzerfahrungen.
Und das ist kein Wettbewerb.
Schmerz gehört zum Menschsein.
Er kommt nicht von außen wie ein Fremdkörper – wir erleben ihn in unserem Körper. Schmerz ist verkörpert. Das heißt: Wir können ihm nicht völlig entkommen.
Ja, wir versuchen es.
Wir haben Medikamente, Ablenkungen, Bildschirme, Betäubungen, Strategien.
Wir tun vieles, um Schmerz zu dämpfen oder zu umgehen.
Aber jeder von uns kennt ihn.
Und die Möglichkeit von Schmerz tragen wir immer mit uns.










