
»Ich bin verzweifelt und voller Todesangst.Wartet hier und wacht mit mir.«
Mt 26,38
Lies den ganzen Bibeltext Mt 26,36-46
Stations in the Street 01 – Jesus gerät in Versuchung
Fragen
- Welche Situationen in deinem Leben haben dich zu Geben geführt, die so eine Verzweiflung ausgedrückt haben?
- Wann betest du am ehrlichsten?
- Gab es Momente in deinem Leben, in denen du andere gefragt hast, mit dir zu beten?
Meditation
In dieser Station steht der Kelch des Todes in Verbindung zur Schlange der Versuchung. Jesus befindet sich im Garten. Er weiß, was vor ihm liegt. Und er betet — verzweifelt, ringend, wach. Vor ihm liegt der Weg in den Tod. Derselbe Weg, den wir in diesen Stationen innerlich mitgehen. Ein Weg, den Menschen seit zweitausend Jahren bedenken und betrachten.
Ich selbst stand noch nie einer Zukunft gegenüber, von der ich wusste: Wenn ich weitergehe, werde ich gefoltert, öffentlich gedemütigt und an einem der grausamsten Hinrichtungsinstrumente der Geschichte sterben.
Und doch kenne ich Momente der Versuchung.
Nicht im Sinn von kleinen moralischen Ausrutschern oder alltäglichen Ärgernissen.
Ich meine die Versuchung, dem eigenen Leben auszuweichen.
Immer wieder gerate ich in Versuchung, nicht wirklich hier zu sein — nicht präsent für das Leben, das gerade tatsächlich vor mir liegt. Für den Moment, der ist, statt für den, den ich mir gewünscht habe. Für die Beziehungen, zu denen ich Ja gesagt habe — zu Familie, Partner, Freunden. Für die innere Haltung, die ich gewählt habe. Für meinen Glauben. Für die Entscheidung, heute aufzustehen und mich dem Tag zu stellen.
Jesus kennt die Schwere dieses Ja.
Er kennt das Ringen darum, das anzunehmen, was geschieht.
Mein Weg führt nicht zu einem Kreuz. Gott sei Dank.
Aber auf jedem unserer Wege begegnet uns eine andere Form von Tod: der Tod, der entsteht, wenn wir unserer eigenen Wirklichkeit ausweichen.
Deinem Körper.
Deiner Geschichte.
Deinen Möglichkeiten — und deinen Grenzen.
Deiner Zeit.
Deinem Ort.
Deinem einen, kurzen Atemzug Leben in diesem zugleich absurden und wunderschönen Universum.
Ja zu deinem Leben zu sagen heißt immer auch: Nein zu all den anderen Möglichkeiten, die du nicht leben wirst. Und in einer Welt voller Fluchtwege und digitaler Fantasietüren — vielleicht sogar auf dem Gerät, das du gerade in der Hand hältst — ist genau das unglaublich schwer.
Der Cocktail, nach dem wir greifen, ist betäubende Ablenkung.
Das Getränk, das uns gereicht wird, ist die Wirklichkeit unserer verletzlichen, leuchtenden Lebendigkeit.










