Stations in the Street 12 - Jesus ist auferstanden

»Ich bin der gute Hirte.
Der gute Hirte setzt sein Leben ein für die Schafe.«
Joh 10,11
Mateo Weidaq
Fragen
- Wann hast du dich in deinem Körper am besten gefühlt?
- Wann hast du dich in deinem Körper am schlechtesten gefühlt?
Meditation
Eigentlich gibt es keine Station „Jesus ist auferstanden“ im traditionellen Kreuzweg.
Die klassischen Stationen begleiten Jesus nur bis zum Grab – eine Meditation über den Weg in den Tod, über unser eigenes unvermeidliches Ende.
Diese Stationen laden uns ein, die Gnade, das Mitgefühl und die Liebe eines Retters zu spüren, der die härtesten Seiten des Menschseins kennt.
Diese Meditationen handeln vom Fallen.
Das Aufstehen und Auferstehen sparen wir für den Ostermorgen aus.
Wir fühlen uns unwohl mit Situationen, die nicht aufgelöst sind – die in der Schwebe hängen.
Wir tun uns schwer damit, über Kreuz und Grab zu reden, ohne die Auferstehung zu erwähnen.
Vielleicht mag niemand gern eine Geschichte, die in der Dunkelheit endet, weil sie uns an unsere eigene Zukunft im Unbekannten erinnert – und dieser Gedanke macht vielen von uns Angst.
Mein Wunsch für diese Meditationen ist, dass wir erkennen:
Das Göttliche kennt die härtesten Momente des Menschseins genau.
Von Verrat bis Herzschmerz.
Von Schmerz bis Stille.
Von Erscheinung bis Verschwinden.
Jesus hat diese Dinge nicht ausgeklammert.
Er ist hindurchgegangen – so wie wir es in unserem Leben tun.
In Gott sind die Erfahrungen des Menschseins eingebettet, mit allen Grenzen, Schmerzen und Verletzlichkeiten.
Jesus hat unser Menschsein geteilt.
Er war in einem Körper.
Er war hier.
Endlich. Begrenzbar. Mit Schwächen.
Mit einem Herz, das schlägt – und über das er nicht ausschließlich Kontrolle hatte.
Wir haben alle ein Herz, das schlägt, ohne dass wir alles lenken können.
Wir sind alle hier an diesem Moment in unserem Leben gelangt, durch Umstände, die wir nicht beherrschen.
Jesus kehrte in einem Körper „zurück“ – in seiner Auferstehung.
Die harten Seiten des Menschseins waren nicht sein Ende.
Vielleicht sind sie auch nicht unser Ende.
Dieses Bild lädt ein, über die Auferstehung des Körpers nachzudenken:
Ein neuer Trieb wächst aus einem abgehackten Baumstumpf, neben dem Hirtenstab eines guten Hirten, der weiterhin sagt:
„Ich bin der gute Hirte.
Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“
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Stations in the Street 11 - Jesus wird begraben

Sie hat mich im Voraus für mein Begräbnis gesalbt.
Dazu hat sie das Öl über meinen Körper gegossen.
Mt 26,12
Lies den ganzen Bibeltex Lk 23,50-56
Mateo Weidaq
Fragen
- Was ist deine letzte Erinnerung an eine Beerdigung?
- Wie erinnerst du dich an die Menschen, die du verloren hast?
- Wieso beerdigen wir unsere Lieben? Was ist die Bedeutung einer Beerdigung?
Meditation
Einen geliebten Menschen zu begraben ist schwer.
Das Bild dieser Station zeigt die Verbindung aus zwei Dingen, die viele von uns mit einer Beerdigung verbinden: eine Blume und eine Schaufel.
Vielleicht hast du schon einmal erlebt, wie bei einer Beerdigung Blumen ins Grab geworfen werden. Niemand weiß genau, wann diese Tradition entstanden ist. Es gibt unterschiedliche Erklärungen dafür.
Manche sagen: Blumen drücken das aus, was wir kaum in Worte fassen können. Dankbarkeit. Ehre. Trauer. Liebe.
Wenn wir eine Blume ins Grab legen, ist das ein letzter Gruß. Ein Zeichen dafür, dass dieses Leben für uns ein Geschenk war.
Andere sagen: Blumen stehen für Anfang und neues Leben. Wenn man sie ins Grab legt, ist das auch ein Zeichen der Hoffnung – dass mit dem Tod nicht einfach alles endet.
Und dann ist da die Schaufel.
Sie erinnert daran, dass ein Grab ausgehoben wird.
Dass ein Körper in die Erde gelegt wird.
Bei der Beerdigung wird der Satz gesprochen: „Erde zu Erde – Asche zu Asche!“
Vielleicht kennst du den Satz aus der Fastenzeit:
„Von Staub bist du genommen, und zum Staub wirst du zurückkehren.“
Am Anfang der Bibel wird erzählt, dass der Mensch aus Erde geformt wird – aus den Elementen dieser Welt – und dass Gott ihm seinen Atem einhaucht. Materie und Atem. Körper und Geist. Staub und Leben.
Wenn dieser Atem geht, bleibt der Staub zurück.
Und wir geben ihn zurück zur Erde.
Blume und Schaufel erinnern uns daran:
Wir sind beides.
Etwas Greifbares und etwas Unsichtbares.
Körper und Geheimnis.
Ein Teil von uns kehrt in die Erde zurück.
Und bei einem anderen Teil wissen wir nicht genau, was damit ist.
Jesus wurde begraben.
Er hat „erfahren“, was es heißt, dass seine Freunde und Familie sich verabschieden und er jetzt Teil der Erinnerung ist.
Erinnern ist schön und schmerzhaft zugleich.
Schön, weil wir in Gedanken noch einmal bei den Momenten sein können, die uns geprägt haben.
Schmerzhaft, weil wir wissen, dass keine neuen mehr dazukommen.
Wir erinnern uns, dass jemand einmal da war.
Wir erinnern uns an den Ort, an dem wir Abschied genommen haben.
Beim Erinnern an einen geliebten Menschen spüren wir, dass Liebe nicht einfach verschwindet – auch wenn ein Mensch nicht mehr da ist.
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Stations in the Street 10 - Jesus stirbt

Niemand liebt mehr als einer,
der sein Leben für seine Freunde einsetzt.
Joh 15,13
Mateo Weidaq
Fragen
- Was war deine erste Begegnung mit dem Tod?
- Worüber wirst du wütend, wenn du an den Tod denkst?
- Worüber wirst du traurig?
Meditation
Es gibt ein Schwinden, über das wir nicht gern sprechen.
Vielleicht hast du den Moment schon einmal erlebt, wie etwas Lebendiges stirbt.
Ein Freund.
Ein Mensch, den du kaum kanntest.
Ein Haustier.
Da ist ein Moment, in dem etwas da war – und dann nicht mehr.
Der Körper ist noch da.
Aber das, was ihn lebendig gemacht hat, ist weg.
Das ist verstörend.
Weil wir nicht wirklich wissen, wohin dieses „Lebendige“ geht.
Irgendwohin?
Nach oben?
Nach unten?
Ins Nichts?
Wenn wir ehrlich sind:
Wir wissen es nicht.
Wir haben Hoffnungen, Bilder, Glauben.
Aber sicher wissen wir es nicht.
Und genau das macht es so unruhig.
Jesus hat dieses Verschwinden erlebt.
Er war da.
Und dann war er nicht mehr da.
Ein Körper hing am Kreuz –
aber er selbst war nicht mehr dort.
Vielleicht sollten wir über dieses Geheimnis nicht zu schnell hinweggehen.
Nicht sofort zur Auferstehung springen.
Nicht sofort alles erklären wollen.
Diese Station ist wahrscheinlich die, vor der wir uns am meisten fürchten.
Denn dieses Verschwinden wird auch uns betreffen.
Und jeden, den wir lieben.
Ich spüre selbst die Wut darüber.
Die Ohnmacht.
Das Wissen, dass ich nichts dagegen tun kann.
Dass ich nicht kontrollieren kann, wann es geschieht.
Dass ich es nicht aufhalten kann.
Unter unserer ruhigen Oberfläche liegt oft genau das:
die Angst vor diesem Moment,
in dem das, was uns lebendig macht, sich vom Körper löst.
In diesem Bild sehen wir das Lamm Gottes –
getroffen von der Sense des Todes.
Es ist ein Symbol.
Vielleicht leichter anzusehen als ein lebloser Körper an einem Hinrichtungsinstrument.
Denn dieser Anblick wäre kaum auszuhalten.
Ein geteiltes Lamm.
Ein Leben, das endet.
Ein Atem, der verstummt.
Und dann diese Worte:
„Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“
Mehr wird nicht gesagt.
Kein lauter Sieg. Kein dramatischer Abschluss. Nur Loslassen.
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Stations in the Street 09 - Jesus wird ans Kreuz genagelt

Um die neunte Stunde schrie Jesus laut:
»Eli, Eli, lema sabachtani?« Das heißt:
»Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«
Mt 27,46
Mateo Weidaq
Fragen
- Was war der größte Schmerz, den du je erlebt hast?
- Welche Schmerzen trägst du gerade mit dir herum?
- Gibt es Dinge in deinem Leben, die du aus der Angst vor Schmerzen heraus noch nicht gewagt hast?
Meditation
Das Bild dieser Station zeigt drei Nägel, die zusammen genommen die Form eines Kreuzes bilden.
Sie stehen für die drei Eisenstifte, die bei der Kreuzigung in Jesu Körper getrieben wurden.
Manchmal denken wir bei der Kreuzigung zuerst an das Holz.
Aber bedrohlich ist nicht das Holz.
Bedrohlich ist das Metall, das dich daran festmacht.
Die körperlichen Schmerzen einer Kreuzigung waren extrem.
Jesus hat Schmerz erlebt.
Vielleicht intensiver, als die meisten von uns es je erfahren werden.
Ich weiß es nicht. Ich wurde nie gefoltert. Ich kann meinen Schmerz nicht mit einer Kreuzigung vergleichen.
Viele Mütter haben mir erzählt, dass man es als Person, die nie ein Kind zur Welt gebracht hat, nie verstehen werde, wie tief dieser Schmerz geht.
Der größte Schmerz, den ich selbst erlebt habe, war eine sechsstündige Tattoositzung. Es fühlte sich wie Folter an. Ich war mir nicht sicher, ob ich das durchhalte. Ich musste lernen, mit dem Schmerz zu arbeiten: bewusst zu atmen, mich auf kleine Momente der Erleichterung zu konzentrieren, wenn die Nadel kurz absetzte.
Drei Jahre später weiß ich immer noch nicht, ob ich mir das noch einmal antun würde.
Was ich sagen will:
Wir alle haben unterschiedliche Schmerzerfahrungen.
Und das ist kein Wettbewerb.
Schmerz gehört zum Menschsein.
Er kommt nicht von außen wie ein Fremdkörper – wir erleben ihn in unserem Körper. Schmerz ist verkörpert. Das heißt: Wir können ihm nicht völlig entkommen.
Ja, wir versuchen es.
Wir haben Medikamente, Ablenkungen, Bildschirme, Betäubungen, Strategien.
Wir tun vieles, um Schmerz zu dämpfen oder zu umgehen.
Aber jeder von uns kennt ihn.
Und die Möglichkeit von Schmerz tragen wir immer mit uns.
Vielleicht ist es nicht einmal der Tod, der uns am meisten Angst macht.
Vielleicht ist es der Weg dorthin.
Der Schmerz.
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Stations in the Street 08 - Jesus wird entblößt

»Denn wenn schon das grüne Holz angezündet wird,
was wird dann erst mit dem trockenen geschehen?«
Lk 23,31
»Vater, vergib ihnen. Denn sie wissen nicht, was sie tun.«
Die Soldaten verteilten seine Kleider und losten sie untereinander aus.
Lk 23,34
Mateo Weidaq
Fragen
- Was war dein peinlichster Moment bisher im Leben? Nicht der, den du anderen erzählst – sondern der, den du dir am liebsten selbst nicht eingestehen würdest?
- Wen hast du schon gesehen, dem bildlich gesprochen „die Kleider ausgezogen“ wurde? Was war mit dieser Person los?
- Welche Dinge verbergen wir am liebsten in unserer Kultur?
Meditation
Die Römer kreuzigten Verurteilte nackt.
Diese Hinrichtung sollte nicht nur töten – sie sollte beschämen.
Den Verurteilten. Und die Gemeinschaft, aus der er kam.
Die Botschaft war klar:
„Leg dich nicht mit uns an. Sonst endet es so.“
Wir gewinnen. Du verlierst.
Und du verlierst alles – besonders deine Würde.
In diesem Bild sehen wir eine Säge neben einem entblößten Ast.
Der Ast ist abgeschnitten, freigelegt, schutzlos.
Es ist ein Symbol für das Bloßgestellt-Werden – ohne dass wir eine öffentliche Nacktheit darstellen müssen.
Doch es geht nicht um Sensationslust.
Es geht nicht darum, den Körper Jesu anzustarren.
In der Kunst wird Jesus fast nie nackt dargestellt – und das ist verständlich.
Wenn wir jemanden lieben, wollen wir ihn in seiner Entwürdigung nicht noch weiter entblößen.
Wir bedecken ihn – wenigstens mit einem Tuch.
Das ist ein zutiefst menschlicher Reflex.
Aber wir dürfen nicht vergessen: Das ist unsere Deutung.
Historisch bedeutete die Kreuzigung eine totale Bloßstellung.
Und diese Scham kennen wir alle.
Nacktheit heißt nicht nur, keine Kleidung zu tragen.
Nacktheit kann bedeuten:
keine Maske mehr zu haben
keinen Status mehr, hinter dem man sich versteckt
kein Geld
keine Rolle
keinen Erfolg
keine starke Fassade
keine sichere Glaubensgewissheit
Nacktheit ist der Moment, in dem nichts mehr zwischen dir und der Welt steht.
Wenn du dich nicht mehr schützen kannst.
Jesus hat erlebt, dass er sich nicht verstecken konnte.
Ganz real. Und stellvertretend für uns.
Denn jedes Menschenleben wird irgendwann an einen Punkt kommen, an dem alles wegfällt.
Wo wir uns bloßgestellt fühlen.
Schutzlos.
Preisgegeben.
Alles, was im Dunkeln ist, kommt irgendwann ins Licht.
Wenn du das noch nicht erlebt hast – warte. Es wird kommen.
Alles, was im Dunkeln verborgen ist, wird irgendwann ans Licht treten.
Aber dieses Licht ist nicht zum Strafen da.
Es ist Gottes Licht.
Dort werden wir gesehen – so, wie wir wirklich sind.
Und Jesus begegnet uns in unserer Schutzlosigkeit nicht mit Urteil.
Jesus sieht uns ganz - und nimmt uns ganz an.
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Stations in the Street 07 - Simon trägt Jesu Kreuz

»Wer zu mir gehören will,
darf nicht an seinem Leben hängen.
Er muss sein Kreuz auf sich nehmen
und mir auf meinem Weg folgen.«
Mt 16,24
Mateo Weidaq
Fragen
- Welche Gefühle kommen bei dir hoch, wenn du an diesen Teil der Geschichte denkst?
- Was haben andere Personen in deinem Leben schon für dich getragen?
- Was bedeutet es für dich, dass Jesus seine Last nicht alleine tragen konnte?
Meditation
In diesem Bild sehen wir zwei Hände, die zwei Holzstücke halten. Die beiden Hüter sind voneinander getrennt – und doch fügen sie sich zum Symbol des Kreuzes.
Jesus war auf seinem Weg zum Tod völlig erschöpft: verprügelt, ausgezehrt, schwach. Er konnte die Last nicht mehr alleine tragen.
Ein römischer Soldat packt einen Mann aus der Menge – Simon von Kyrene – und zwingt ihn, Jesu Kreuz weiter den Hügel hinaufzutragen, bis zur Stätte, an der Jesus gekreuzigt werden soll.
Stell dir diesen Moment vor – erstickend.
Stell dir vor, es wäre dein Freund: zu Unrecht verurteilt, brutal geprügelt, und nun auf dem Weg zur öffentlichen Hinrichtung.
Du siehst, wie er fällt … und dann wirst du aus der staunenden Menge gezogen und sollst sein Kreuz tragen. Du gehst neben ihm her, während das Ende seines Lebens näher rückt.
Und die wenigsten von uns werden jemals in einer solchen Situation sein.
Aber: Wir alle begleiten Menschen, die wir Lieben, am Ende ihres Lebens. Und hoffentlich wird jemand an unserer Seite stehen, wenn wir unser letzten Schritte im Leben gehen.
Wahrscheinlich werden unsere letzten Schritte nicht nur schön, und würdevoll sein. Am Ende werden wir alle loslassen müssen.
Irgendwann stoßen wir alle an unsere Grenzen – und genau dann erfahren wir:
Ein Leben schafft man nicht allein, wir tragen einander und lassen uns tragen - so wie Simon die Last von Jesus getragen hat.
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Stations in the Street 06 - Jesus fällt

»Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben,
sonst bleibt es allein.
Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.«
Joh 12,24
Mateo Weidaq
Fragen
- Was ist deine erste Reaktion, wenn du siehst, dass jemand hinfällt?
- Bist du schon einmal in der Öffentlichkeit gestolpert? Wie hat es sich angefühlt, so gesehen zu werden?
- Warum fällt es uns so schwer, unsere Schwächen zu zeigen?
Meditation
In diesem Bild sehen wir einen Ast und Blätter, die von diesem Ast fallen. Der Ast gehört zu einem größeren Ganzen – dem Baum, den Wurzeln, einem ganzen Netzwerk. Und doch gibt es Teile des Baumes, die mit den Jahreszeiten wegfallen. Sie trennen sich. Sie fallen ab. Sie verwelken.
Am Baum ist nichts „kaputt“. Es gehört zum Lebensrhythmus dazu. Wir nennen diese Jahreszeit „Herbst“ – das Fallen ist Teil vom Prozess des jährlichen Erneuern.
Auch diese Station – obwohl sie nicht wörtlich in der Bibel steht – fasst drei traditionelle Stationen zusammen. Sie will zeigen:
Jesus ist Mensch – seine Kraft wird immer weniger, je näher es zu seinem öffentlichen Tod kommt.
Nach der brutalen Geißelung, nachdem er geschlagen wurde und sein Kreuz tragen musste, zeigt uns dieser Moment:
Jesus hat Schwäche erfahren. Es gibt Teile des menschlichen Lebens, die wir einfach nicht kontrollieren.
Jesus hat erfahren, was es bedeutet, zu fallen.
Schwerkraft ist etwas, das du nicht steuerst.
Wenn du stolperst … wenn die Dinge, die dich aufrecht halten, plötzlich nicht mehr funktionieren … dann zieht dich eine Kraft zu Boden, die größer ist als dein Wille.
Es geht nicht um mangelnden Glauben.
Unser Menschen ist zerbrechlich und manchmal auch ziemlich schwach.
Es gibt Andere Kräfte, die stärker sind als reine Willenskraft:
Dein Herz‑Kreislauf‑System
Wetter
tektonische Platten
Kometen
dein Atem
dein Durst nach Wasser
dein Bedürfnis, Liebe zu geben
dein Bedürfnis, Liebe zu empfangen
Staunen
Schwarze Löcher
Unfälle
Zufall
Kugeln
Feuer
Strahlung
Angst
Traurigkeit
Freude
Aufregung
Ekel
Wut
dein Körper
deine Existenz
Wenn die Kräfte, die uns aufrecht halten, ins Wanken geraten, fallen wir.
Wir alle - Selbst Jesus.
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Stations in the Street 05 - Jesus erhält sein Kreuz

Es ist wie damals bei Mose, als er in der Wüste
den Pfahl mit der Schlange aufgerichtet hat.
So muss auch der Menschensohn erhöht werden,
damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat.
Joh 3,14-15
Mateo Weidaq
Fragen
- Welchen Teil / welche Episode deines Lebens würdest du am ehesten entfernen?
- Was magst du an dir selbst am wenigsten?
- Wie stellst du dir Jesu Gesicht vor, als man ihm sein Kreuz gereicht hat?
Meditation
Ich finde den Ausdruck „Sein Kreuz täglich nehmen“ unglaublich seltsam.
Manche interpretieren das sehr wörtlich und denken, Jesus will, dass wir jeden Tag eine Art Foltergerät mit uns herumtragen – als ob wir uns selbst hassen und verleugnen sollten. Es gibt tatsächlich religiösen Traditionen, die genau dieses Gefühl fördern: man müsse sich kleinmachen, um gerecht zu sein.
Wenn dein Glaube und deine Religion immer wieder zu dir sagt: Du bist nicht gut genug, zu schwach, zu falsch, dann lohnt es sich zu fragen:
Ist das wirklich eine „gute Nachricht“ (Übersetzung von Evangelium)?
Vielleicht meint Jesus mit dem „Kreuz auf sich nehmen“ das etwas metaphorischer, und doch sehr real.
Ich vermute, eine unserer größten Ängste als Menschen ist es, dass wir die Kontrolle verlieren.
Sei es, dass uns etwas weh tut, wir erschüttert werden, oder einfach nur hilflos daneben stehen. Seien es Verlust. Krankheit. Schmerz. Tod. Ohnmacht.
Diese Situation zeigen uns, dass wir nicht allmächtig sind – es ist eine Angst, die häufig hinter der Fassade von Kontrolle und inszenierter Härte versteckt ist.
Jesus hat erlebt, dass er eine Situation hinnehmen musste, das er eigentlich gar nicht wollte.
Vielleicht ist unsere tägliche Aufgabe genau das:
Zu lernen, das anzunehmen, was wir nicht kontrollieren können.
Im Leben erleben wir Dinge wie:
Älterwerden
Krankheit
Verluste
Traurigkeit
Erschöpfung
gebrochene Beziehungen
Tränen
„Sein Kreuz auf sich zu nehmen“ könnte eine Einladung sein, die eigene Verletzlichkeit anzunehmen und die Beziehung zu unseren Schwächen und eigenen Begrenzungen zu stärken.
Jesus formuliert diesen Gedanken an einer anderen Stelle so:
„Wer sein Leben retten will, wird es verlieren.
Wer sich aber zu mir und der Guten Nachricht bekennt
und deshalb sein Leben verliert, wird es erhalten.“
Wenn wir das Leben im Sinne von „Es geht nur um mich und meine eigene Stärke“ loslassen, entdecken wir, was es wirklich bedeutet zu leben.
Im Loslassen einer Ich-Bezogenheit und im Festhalten in unserem wahren Ich als Geliebte und Angenommene, merken wir, dass wir das Wertvollste nicht verlieren können:
Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen.
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Stations in the Street 04 - Jesus wird verspottet

»Wenn ich aber im Recht bin, warum schlägst du mich?«
Joh 18,23
Lies den Bibeltext Mt 27,28-30 und Mt 20,18-19
Mateo Weidaq
Fragen
- Welche Ereignisse lösen bei uns aus, dass wir jemanden verspotten?
- Warum glaubst du, haben sie Jesus verspottet?
- Was "fasziniert" uns an solchen brutalen und menschenverachtenden Szenen?
Meditation
Wofür wurden diese Gegenstände gemacht?
In dieser Station sehen wir zwei Dinge nebeneinander: eine Peitsche – die sogenannte „neunschwänzige Peitsche“, und die Dornenkrone, die auf Jesu Kopf gepresst wurde.
Was war das Ziel dieser Werkzeuge?
Sie sollten Menschen der Würde berauben.
Ja, sie sollten Schmerz zufügen.
Aber körperlicher Schmerz ist nicht alles.
Es geht darum, jemanden kleinzumachen. Ihm seine Würde zu nehmen. Seine Geschichte auszulöschen. So zu tun, als wäre er weniger wert.
Spott entsteht oft aus Unsicherheit.
Wenn wir uns klein fühlen, greifen wir manchmal zu Hohn, um uns größer zu machen.
Anstatt uns unserer Angst oder unserem Neid zu stellen, machen wir Witze über andere. Das gibt uns kurz das Gefühl, überlegen zu sein. In Kontrolle zu sein.
Jesus hat erlebt, wie es ist, entwürdigt zu werden.
Kennst du das – wenn du mit deinem eigenen Leben so unzufrieden bist, dass dein Frust sich an anderen entlädt?
Vielleicht läuft dein Leben anders als geplant. Vielleicht steckst du in einer Situation, die du hasst. Und wenn dich jemand fragt, wie es dir geht, brauchst du all deine Selbstbeherrschung, um nicht explodieren.
Oder du bist in einem Umfeld, in dem du dich nicht gesehen fühlst. Vielleicht wirst du übergangen, nicht ernst genommen, sogar abgelehnt. Und Tag für Tag sammelt sich Ärger an.
Solche Erfahrungen können einen langsam aushöhlen.
Und dann passiert es:
In einem ganz anderen Moment sagt jemand etwas Kleines – und plötzlich bricht alles heraus.
Ein Gespräch wird härter als nötig.
Ein Streit eskaliert.
Ein Kind macht einen Fehler – und du reagierst über.
Oft entlädt sich unsere Wut dort, wo es eigentlich nicht passt.
Wenn wir uns selbst entwürdigt fühlen, handeln wir manchmal selbst entwürdigend.
Ich wette, diese römischen Soldaten haben diesen Rabbi brutal zugerichtet.
Nicht, weil sie ihn kannten.
Nicht, weil sie seine Botschaft verstanden.
Sondern weil er in diesem Moment machtlos war.
Spott ist oft der Versuch, Macht zu spüren.
Und Jesus steht da – verspottet, geschlagen, entmenschlicht.
Er weiß, was kommen wird.
Und er geht diesen Weg trotzdem.
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Stations in the Street 03 - Jesus wird verurteilt

Da fragte Pilatus sie:
»Euren König soll ich kreuzigen lassen?«
Die führenden Priester antworteten:
»Wir haben keinen anderen König als den Kaiser!«
Joh 19,15
»Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre. Deshalb hat der die größere Schuld, der mich dir ausgeliefert hat.«
Joh 19,11
»Doch jetzt ist eure Stunde gekommen, und die Finsternis tritt ihre Herrschaft an.«
Lk 22,53
Lies den ganzen Bibeltext Lk 22,66-71
Mateo Weidaq
Fragen
Jesus wird von religiösen Führern verurteilt.
- Welche Angst trieb sie an?
Meditation
Hast du je darüber nachgedacht, wie viele biblische Figuren im Gefängnis saßen?
Paulus und Silas, Jeremia, Joseph, Johannes der Täufer, die Apostel, Daniel – nur einige Namen.
Warum wurden sie verhaftet?
War es gerecht? Waren sie skrupellose Kriminelle, oder stießen sie auf etwas Mächtiges, das sich bedroht fühlte?
Auch unsere heutigen Justizsysteme sind nicht unfehlbar.
Falsche Zeugen, manipulierte Beweise, voreilige Urteile.
Wir hören von Menschen, die Jahrzehnte später dank DNA entlastet werden.
Wir sehen politische Geflüchtete, die nach Jahren wieder auftauchen, weil die Mächtigen gewechselt haben.
Selbst in besten Absichten kann Recht zu Unrecht werden.
Jesus nahm die Last dieser Ungerechtigkeit auf sich.
Er wurde verurteilt in einem System, das sich selbst bedroht fühlte.
Falsche Zeugen traten gegen ihn auf.
Als man ihn zu Pilatus brachte, fragte dieser: „Was hat er getan?“
Doch als die Menge „kreuzige ihn!“ rief, bedeutete das:
In wenigen Stunden würden sie zusehen, wie er starb –
nicht auf Bildschirmen, nicht in Stadien, sondern am Straßenrand, während sie ihre alltäglichen Aufgaben erledigten.
Ich glaube an die Fähigkeit des Menschen zu Güte und Mitgefühl.
Doch ich kenne auch unsere Schattenseite, wenn wir als friedfertige Menschen zu kaltblütigem Töten greifen.
Hier ein kleiner Ausschnitt von Jesu „Verbrechen“, oder
Gründe, warum Menschen dem Geschenk Gottes In Jesu Leben entgegenstehen:

