
»Denn wenn schon das grüne Holz angezündet wird,was wird dann erst mit dem trockenen geschehen?«
Lk 23,31
»Vater, vergib ihnen. Denn sie wissen nicht, was sie tun.«Die Soldaten verteilten seine Kleider und losten sie untereinander aus.
Lk 23,34
Stations in the Street 08 – Jesus wird entblößt
Fragen
- Was war dein peinlichster Moment bisher im Leben? Nicht der, den du anderen erzählst – sondern der, den du dir am liebsten selbst nicht eingestehen würdest?
- Wen hast du schon gesehen, dem bildlich gesprochen „die Kleider ausgezogen“ wurde? Was war mit dieser Person los?
- Welche Dinge verbergen wir am liebsten in unserer Kultur?
Meditation
Die Römer kreuzigten Verurteilte nackt.
Diese Hinrichtung sollte nicht nur töten – sie sollte beschämen.
Den Verurteilten. Und die Gemeinschaft, aus der er kam.
Die Botschaft war klar:
„Leg dich nicht mit uns an. Sonst endet es so.“
Wir gewinnen. Du verlierst.
Und du verlierst alles – besonders deine Würde.
In diesem Bild sehen wir eine Säge neben einem entblößten Ast.
Der Ast ist abgeschnitten, freigelegt, schutzlos.
Es ist ein Symbol für das Bloßgestellt-Werden – ohne dass wir eine öffentliche Nacktheit darstellen müssen.
Doch es geht nicht um Sensationslust.
Es geht nicht darum, den Körper Jesu anzustarren.
In der Kunst wird Jesus fast nie nackt dargestellt – und das ist verständlich.
Wenn wir jemanden lieben, wollen wir ihn in seiner Entwürdigung nicht noch weiter entblößen.
Wir bedecken ihn – wenigstens mit einem Tuch.
Das ist ein zutiefst menschlicher Reflex.
Aber wir dürfen nicht vergessen: Das ist unsere Deutung.
Historisch bedeutete die Kreuzigung eine totale Bloßstellung.
Und diese Scham kennen wir alle.
Nacktheit heißt nicht nur, keine Kleidung zu tragen.
Nacktheit kann bedeuten:
keine Maske mehr zu haben
keinen Status mehr, hinter dem man sich versteckt
kein Geld
keine Rolle
keinen Erfolg
keine starke Fassade
keine sichere Glaubensgewissheit
Nacktheit ist der Moment, in dem nichts mehr zwischen dir und der Welt steht.
Wenn du dich nicht mehr schützen kannst.
Jesus hat erlebt, dass er sich nicht verstecken konnte.
Ganz real. Und stellvertretend für uns.
Denn jedes Menschenleben wird irgendwann an einen Punkt kommen, an dem alles wegfällt.
Wo wir uns bloßgestellt fühlen.
Schutzlos.
Preisgegeben.
Alles, was im Dunkeln ist, kommt irgendwann ins Licht.
Wenn du das noch nicht erlebt hast – warte. Es wird kommen.
Alles, was im Dunkeln verborgen ist, wird irgendwann ans Licht treten.
Aber dieses Licht ist nicht zum Strafen da.
Es ist Gottes Licht.
Dort werden wir gesehen – so, wie wir wirklich sind.
Und Jesus begegnet uns in unserer Schutzlosigkeit nicht mit Urteil.










