Es ist wie damals bei Mose, als er in der Wüsteden Pfahl mit der Schlange aufgerichtet hat.So muss auch der Menschensohn erhöht werden,damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat.

Joh 3,14-15

Stations in the Street 05 – Jesus erhält sein Kreuz

Fragen

  • Welchen Teil / welche Episode deines Lebens würdest du am ehesten entfernen?
  • Was magst du an dir selbst am wenigsten?
  • Wie stellst du dir Jesu Gesicht vor, als man ihm sein Kreuz gereicht hat?

Meditation

Ich finde den Ausdruck „Sein Kreuz täglich nehmen“ unglaublich seltsam.
Manche interpretieren das sehr wörtlich und denken, Jesus will, dass wir jeden Tag eine Art Foltergerät mit uns herumtragen – als ob wir uns selbst hassen und verleugnen sollten. Es gibt tatsächlich religiösen Traditionen, die genau dieses Gefühl fördern: man müsse sich kleinmachen, um gerecht zu sein.
Wenn dein Glaube und deine Religion immer wieder zu dir sagt: Du bist nicht gut genug, zu schwach, zu falsch, dann lohnt es sich zu fragen:

Ist das wirklich eine „gute Nachricht“ (Übersetzung von Evangelium)?

Vielleicht meint Jesus mit dem „Kreuz auf sich nehmen“ das etwas metaphorischer, und doch sehr real.

Ich vermute, eine unserer größten Ängste als Menschen ist es, dass wir die Kontrolle verlieren.
Sei es, dass uns etwas weh tut, wir erschüttert werden, oder einfach nur hilflos daneben stehen. Seien es Verlust. Krankheit. Schmerz. Tod. Ohnmacht.
Diese Situation zeigen uns, dass wir nicht allmächtig sind – es ist eine Angst, die häufig hinter der Fassade von Kontrolle und inszenierter Härte versteckt ist.

Jesus hat erlebt, dass er eine Situation hinnehmen musste, das er eigentlich gar nicht wollte.

Vielleicht ist unsere tägliche Aufgabe genau das:
Zu lernen, das anzunehmen, was wir nicht kontrollieren können.

Im Leben erleben wir Dinge wie:
Älterwerden
Krankheit
Verluste
Traurigkeit
Erschöpfung
gebrochene Beziehungen
Tränen

„Sein Kreuz auf sich zu nehmen“ könnte eine Einladung sein, die eigene Verletzlichkeit anzunehmen und die Beziehung zu unseren Schwächen und eigenen Begrenzungen zu stärken.
Jesus formuliert diesen Gedanken an einer anderen Stelle so:

„Wer sein Leben retten will, wird es verlieren.
Wer sich aber zu mir und der Guten Nachricht bekennt
und deshalb sein Leben verliert, wird es erhalten.“

Wenn wir das Leben im Sinne von „Es geht nur um mich und meine eigene Stärke“ loslassen, entdecken wir, was es wirklich bedeutet zu leben.

Im Loslassen einer Ich-Bezogenheit  und im Festhalten in unserem wahren Ich als Geliebte und Angenommene, merken wir, dass wir das Wertvollste nicht verlieren können:

Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen.

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