»Mein Freund, tu, wozu du gekommen bist!«

Mt 26,50

»Der Menschensohn wird ausgeliefert werdenin die Hände der Menschen.Sie werden ihn töten.Aber nach drei Tagen wird er vom Tod auferstehen.«

Mk 9,31

Lies den ganzen Bibeltext Mt 26,14-16

Stations in the Street 02 – Jesus wird verraten

Fragen

  • Wie fühlt sich Verrat an?
  • Welche anderen Worte oder Bilder beschreiben für dich Verrat?
  • Was muss passieren, damit Verrat entsteht?
  • Überrascht es dich, dass Jesus von einem engen Freund verraten wurde? Warum / Warum nicht?

Meditation

Es gibt diesen leisen Moment, in dem sich der Verrat ankündigt.
Bei einem Abendessen tritt eine Frau herein. In einer radikalen Geste gießt sie kostbares Öl über Jesu Kopf. Ein verschwenderischer, liebevoller Moment. Einer, der einfach schön ist.

Doch statt Staunen kommt Empörung.
„Was für eine Verschwendung!“
So viel Geld. So viele Ressourcen. So unnötig.
Und kurz darauf reicht es einem aus der Gruppe. Einer, der mit diese Hoffnung trug, dass nicht alles so bleiben muss, wie es war. Einer, der darauf baute, dass es mit Jesus besser wurde. Und genau er geht zu den Behörden und fragt: „Was bekomme ich, wenn ich ihn ausliefere?“

Dreißig Silberstücke.
Es braucht nicht viel, um einen Freund zu verkaufen.

Aber bevor wir innerlich Abstand nehmen, lohnt es sich, genauer hinzusehen.
Wie fühlt es sich an, wenn das, woran du geglaubt hast, sich anders zeigt, als du es erwartet hast?
Wenn du bereit warst für die Revolution.
Bereit, Macht zurückzuerobern.
Bereit, endlich „oben“ zu stehen.

Und dann lässt dein Anführer scheinbar Ressourcen verschwenden — für eine symbolische, zärtliche Geste.
Er wehrt sich nicht.
Er ruft nicht zum Kampf auf.
Stattdessen sagt er: Liebt eure Feinde. Betet für die, die euch verfolgen.
Da beginnt es zu rumoren:
„Moment mal. Geht es hier nicht ums Gewinnen?“
Ich dachte, es geht um Sieg.
Und Sieg bedeutet doch Macht.
Macht bringt Einfluss, Sicherheit, Kontrolle.
Wenn dieser Weg nicht zu Stärke, Überlegenheit und Absicherung führt — was genau ist dann die gute Nachricht?
Jesus erlebt, dass Menschen ihn verlassen, weil er nicht ihren Erwartungen entspricht.
Weil er nicht die Version von Retter ist, die sie sich wünschen.
Und wenn ich ehrlich bin:
Wie schnell verrate ich selbst jeden Weg, der mich von Macht, Besitz und Kontrolle wegführt?
Wie schnell suche ich mir doch wieder Sicherheiten, die glänzen und greifbar wirken?
Es heißt, man könne nicht zwei Herren dienen.
Und manchmal denke ich:
Jesus, du verstehst nicht, wie diese Welt funktioniert.

„Mein Freund, tu, wozu du gekommen bist.“

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